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Die alte Kirchenbibliothek der Kirchengemeinde Grünberg

1-2017 - Das ist Neue Italianisch=Teutsche Gesprüche Nach heut-üblicher Red=Art durch Johann Balthasar Moscherosch, 1680

Werte Leserinnen und Leser,

heute stelle ich Ihnen ein sehr praktisches Buch aus unserer alten Kirchenbibliothek vor. Es wirkt nach außen wie ein Taschenbuch und wurde in Schweinsleder gebunden.
Das Schweinsleder trägt noch Spuren einer Beschriftung, die aber schwer zu entziffern ist. Im Ruhestand werde ich dann für die Aufschlüsselung Zeit haben.
1680 wurde das Buch in Frankfurt/M. bei Hermann von Sand gedruckt und herausgegeben. Die Arbeit führt in die italienische Sprache ein und ist als Begleiter gedacht gewesen für Adelige, die eine Bildungsreise nach Italien unternehmen wollten.
Johann Balthasar Moscherosch hat in sehr geschickter Weise einen deutsch-italienischen Sprachführer herausgebracht, der half, in vielen Lebenslagen und Begegnungen sprachfähig zu sein. Viele werden solche Sprachführer noch aus der eigenen Reisezeit kennen. Vorgefertigte Rede­wendungen ermöglichten im Ausland ans Ziel zu kommen, ein Hotel zu finden oder gar eine Liebelei zu beginnen.

Ganz in diesem Stile ist auch das Buch von 1680 aufgebaut. Kleine Gesprächsszenen dienen dazu, die Konversation voranzubringen.

Der Titel ist in Italienisch und Deutsch gehalten. Hier der deutsche Titel:
„Das ist Neue Italianisch=Teutsche Gesprüche Nach heut-üblicher Red=Art durch Johann Balthasar Moscherosch“

Zwanzig Gespräche dienen einerseits der Einführung in die italienische Sprache, andererseits des sprachlichen Bestehens in Italien. Die im Buch aufgeführten Herren Valentin und Polidor sind die erfundenen Gesprächs­partner über die sich alle Inhalte in direkter Rede abwickeln.
Eine sehr geschickte Methode, um eine Fremdsprache zu erlernen. Interessant ist auch, wem das Buch zugeeignet wurde. Nebenstehend sehen wir, dass der hessische Adel als Käuferschicht angesprochen wird.
In seiner Zueignung an die Pagen gibt der Autor auch zu bedenken, dass das Studium seines Buches kostspielige Reisen nach Italien ersparen könnte, die oft mit großen Gefahren, wie Unwetter, wilden
Tieren und Räubern verbunden seien. Italienisch kann man also auch zu Hause lernen. Das dürfte besonders die Eltern der Pagen interessiert haben, da die Bildungsreisen der Söhne zuweilen große Summen verschlangen.Handschriftliche Eintragungen auf den freien Seiten des Buches zeigen, dass es wenigstens 1759 mit auf Reisen war. Die Eintragungen gehen bis 1771 und harren ebenfalls noch der Entzifferung.


Auf jeden Fall ist das Buch ein wert­volles Zeugnis höfischer Bildungs- und Erziehungsarbeit. (hm)

 

 

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